Was können nur Stoffe und Fäden? Wo fängt Textil an und wo hört es auf?
Künstlerische Antwortversuche auf diese Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch alle meine Arbeiten. Die Grundlage bildet meine Liebe zur Mathematik und unendliche Geduld - beste Voraussetzungen für einen Beruf in der Textilindustrie. In der Weberei lässt sich beides verbinden, jedem Gewebe liegt eine mathematische Formel zugrunde, die alle Zahnräder, Litzen und Schiffchen in Bewegung setzt. Am Handwebstuhl wird die Verbindung noch intensiver, aus exakt abgezählten Fäden werden im Studium an der Angewandten Kunst Schneeberg Gewebe, die fremde Materialien einschließen. Bis heute sind farbige Quadrate in geometrischer Anordnung Markenzeichen bei den in meiner Diplomarbeit entwickelten FLACHGEWEBEN. Entgegen ihres Namens können diese durch Faltung auch plastisch werden und dreidimensionale Objekte bilden, in meinem Film "Tuchfühlung" kann man den Bewegungen sogar lauschen.
Die Fäden für den Webstuhl müssen vor dem Weben gewickelt, gekämmt und gebunden werden, allein die dabei entstandenen Gebilde sind wie Wesen aus einer anderen Welt und werden mit Corona zu meinem neuen Thema, den WICKLUNGEN. Sie stellen in Form von Raumobjekten inhaltliche, farbliche, formale oder haptische Zusammenhänge zwischen Faden, Schnur oder Seil und Dingen unseres Alltags her.
Das Zusammenspiel zwischen Stoff und Farbe untersuche ich bei meinen STOFF-COLLAGEN. Hier nehme ich den Betrachter in mein Staunen über die Verwandlung des Fadens zur textilen Fläche mit. Farbe stellt selbstverständliche Stoffstruktur in Frage und macht einen Krimi aus eintönigen Flächen. Diese sehr feinfühligen, leisen Arbeiten sind ab dem 28.5.2022 in der Galerie Fuchs zu sehen. Gedanken zum Lebensfaden werden unter anderem in den Objekten „Sonnenflimmern“ und „Botanicle“ sichtbar.
Temporäre Räume schaffe ich mit transparenten Stoffen bei raumgreifenden INSTALLATIONEN im Auftrag von Diakoneo. Bei ihnen kann man wortwörtlich in Stoff eintauchen. Seit 2008 verweist die Installation „ROT“ in der Lorenzkirche Nürnberg auf das Pfingstfest. Dieses Jahr werden verschiedenfarbige Streifen in St. Martin in Schwabach ein „Pfingstfeuer“ entfachen. Gemäß der Idee des heiligen Geistes kann man Teil der Installation werden und ein Stück Feuerszunge mit nach Hause nehmen. Die riesigen Bahnen mit zwanzig Metern Länge passen (fast) in eine Hosentasche. Das kann TEXTIL!
Meine Kunst soll den Betrachter berühren. Ich will, dass man sich in meine Kunst hineinbegibt und sie als Anderer verlässt. Ich bin für andere Menschen da, inspiriere sie, damit sie zu sich selbst finden können.
Dass so Glaube gemeinsam getragen werden kann, wird in der Unterstützung des Projekts durch die ACK mit Ihren Mitgliedern aus der römisch-katholischen, orthodoxen und den Freikirchen sichtbar.